Mittwoch, 21. März 2012

Der Verehrer

Ich kleines frisch examiniertes Schwesterlein begann auf meiner neuen Station.
In der 3 Woche bekamen wir einen Gast( so heissen die patienten in dieser Einrichtung) , Herrn A. 

Herr A.kam aus dem Krankenhaus und war  in einem reduzierten Allgemeinzustand und auf den Rollstuhl angewiesen. 
Soweit nichts besonderes, dass 'besondere' passierte erst, nachdem ich ihn die ersten Tage versorgt habe. 
Eines Tages,mein Dienst hatte grade begonnen, rief er mich in mein Zimmer. 
Er saß auf dem Bett und fing an zu flüstern:" du gefällst mir, bist du verheiratet?" 
Ich dachte, er macht Scherze und antwortete auf meine übliche nette Art, dass der richtige noch nicht dafür da ist und ich noch zu jung sei.
Er schenkte mir eine Tafel Schokolade und  als ich aus dem Zimmer ging, hatte ich die Geschichte schon wieder halb vergessen. 
Er scheinbar nicht, er verlangte von da an, dass nur noch ich ihn versorgte, was ich mich nach einer Zeit aber weigerte, weil es mir zu unangenehm wurde. 
Nach 2 Wochen wurde er entlassen und ich war erleichtert. 
Bis er nach 4 Mon. wieder kam und mich schon mit den Worten begrüßte:" da ist ja mein Sonnenschein wieder!" 
Er fasste mich ständig an der Hand und erzählte mir, wielange er schon verwitwet wäre und dass ich ihm immer besser gefallen würde. 
Auf dem Flur sprach er mich immer an und verwickelte mich in Gespräche, die immer darauf hinaufliefen, dass er mich heiraten wolle.
Er ließ sich von seiner Tochter Sekt bringen und überhäufte mich mit Schokolade, was ich immer ablehnte, er aber nicht locker ließ, sodass ich es iwann angenommen habe und allen Schwestern zur Verfügung gestellt habe. 
Nach einer Woche ging er wieder nach Hause und ich in den Urlaub, indem ich auch Geburtstag hatte. 
An meinem Geburtstag rief mich um 17 Uhr meine Chefin an, gratulierte mir und sagte total entnervt, dass Herr A.die ganze Zeit auf Station anrufen würde, um mir zum Geburtstag zu gratulieren und dass er mir den Führerschein schenken wolle. 
Ich war ziemlich erschrocken, wie sehr der alte Herr sich in diese Sache reinsteigerte und wollte, dass es endlich aufhörte. 
Nach 3 Monaten kam Herr A.mal wieder zu uns auf Station.
Er hatte sich nicht verändert, ich wollte ihn nicht verletzen , er hatte ja schliesslich keine bösen Absichten, aber mir wurde das alles zuviel und im Team wurde abgesprochen, dass ich ihn nicht mehr versorgen würde. 
Das fiel ihm natürlich nach einer Zeit auf und eines Tages flippte er auf dem Stationsflur aus: 
Er schrie mich an, dass er nicht mehr mit sich spielen lassen würde und ich sollte die Masche bei anderen probieren und er wolle nix mehr mit mir zu tun haben. 

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir das lachen verkneifen musste, obwohl er mir wirklich auch ziemlich leid tat, weil er meine Freundlichkeit, leider komplett falsch aufgefasst hat. 
Aber am Ende war ich einfach nur froh, dass das Theater endlich ein Ende hat. 

Und das hatte es, Herr A. kam danach nie wieder zu uns...

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