Vor 4 Wochen haben wir eine Dame aus einer externen Klinik bei uns aufgenommen.
Sie wartete auf einen Hospizplatz (Hospiz (lat. hospitium „Herberge“) ist eine Einrichtung der Sterbebegleitung. Im deutschen Sprachraum der Gegenwart wird mit Hospiz meist eine stationäre Pflegeeinrichtung bezeichnet, die meist über nur wenige Betten verfügt und ähnlich wie ein kleines Pflegeheim organisiert ist)
Sie war im Krankenhaus wegen eines Ovarialkarzinom( Eierstockkrebs), wo der Tumor operativ entfernt wurde, sie aber Metastasen im ganzen Körper verteilt entdeckt hatten und keine Heilungschance mehr bestand.
Sie lag 3 Wochen auf der Intensivstation.
Und kam zu uns mit einem Dekubitus 4 Grades am Gesäß, d.h. einen Verlust aller Hautschichten mit ausgedehnter Zerstörung, Gewebsnekrose oder Schädigung von Muskeln, Knochen oder stützenden Strukturen wie Sehnen oder Gelenkkapseln, mit oder ohne Verlust aller Hautschichten.
Einfach gesagt: ihr komplettes Gesäß bestand nur noch aus einem riesen Loch, das bis auf die Knochen reichte.
Dekubiti entstehen, wenn eine gewisse Körperschicht, über längere Zeit, einem Druck ausgesetzt ist, häufig betrifft dies das Gesäß, die Fersen oder den Trochanter major am Oberschenkel.
Ihr kennt das vielleicht, wenn ihr lange auf der Seite oder auf dem Rücken liegt und irgendwann die Hautstellen anfangen zu kribbeln, ihr dreht oder legt euch dann automatisch um und die betroffenen Hautareale werden wieder durchblutet.
Menschen, die das aufgrund ihrer Erkrankung nicht können, müssen umgelagert werden.
Und bei dieser Frau, mit dem Dekubitus 4 Grades, ist dieses nicht geschehen, wie sie und der Lebensgefährte uns erzählt haben.
Beim Dekubitus gibt es 4 Stadien,
angefangen vom Stadium 1, wo nur eine Rötung besteht, bis zum genannten 4 Stadium, mit Zerstörung bis auf die Knochen.
Ein Dekubitus 1 Grades kann immer recht schnell entstehen, 2 Stadium auch, wo ein oberflächlicher Hautdefekt oder zB. eine Blase entsteht.
Ein Dekubitus 3+4 Grades sind aber absolute und gravierende Pflegefehler, was einfach nicht passieren darf!
Meine Kollegen und ich waren entsetzt, als wir dieses riesenloch entdeckt haben, noch entsetzter waren wir, als die Dame uns erzählte, dass auf der Intensivstation auch Kinder lagen, die wohl ebenfalls nicht ausreichend umgelagert wurden.
Wie sich jeder vorstellen kann, trägt so eine Wunde nicht zur Besserung des Allgemeinzustandes bei.
Die Frau litt Höllenqualen, sie konnte nicht mehr sitzen oder auf dem Rücken liegen, auf der Seite liegend hatte sie ebenfalls starke Schmerzen, vom Verbandswechsel ganz zu schweigen.
Anstatt sich von der Tumoroperation erholen zu können, musste sie die letzten Tage ihres Lebens mit schlimmsten Schmerzen leben, wogegen nichtmal mehr Betäubungsmittel Linderung verschafften.
Und das alles nur wegen eines Pflegefehlers!!
Die Dame verstarb bei mir im Nachtdienst, im Tod war ihr Gesicht entspannt und wir waren uns sicher, dass sie froh ist, dass die Höllenqualen vorbei sind...
Bei solchen Sachen frage ich mich, wieso gewisse Leute in der Pflege arbeiten. Bei mir im Praktikum waren die meisten sehr auf das Wohl der Patienten bedacht, aber 1-2 Ausnahmen konnten eine Kaltherzigkeit an den Tag legen, dass es mir schlecht wurde, z.B. 2 h Zeitung lesen, während der Patient in einem verstuhlten Bett liegt, oder einfach nicht auf die Klingel gehen.
AntwortenLöschenUnd leider vermiest das ganze System die guten auch noch. Sie stumpfen ab, weil es sonst emotional einfach nicht auszuhalten ist neben all dem Stress. oder sie suchen sich einen anderen Job.
Und uns in der Schweiz scheint es noch besser zu gehen, wenn ich deinen Blog so lese. Verkehrte Welt.