Freitag, 20. Juli 2012

Die Sehnsucht nach dem Wochenende

Heute ist Freitag.
Das heisst, die Timeline ist wieder voll mit Leuten, die posten: "TGIF, eeendlich!" o.ä.

Ich kann bei solchen Posts nichts anderes tun, als mit dem Kopf zu schütteln.
Schön für euch, ich gönne es euch vom Herzen.
Aber wie man nach 5 Tagen arbeiten schon so nach dem Wochenende lechzen kann, ist mir unbegreiflich, wahrscheinlich weil wir Leute aus der Pflege sowas einfach nicht kennen.
Bei uns sind 12 Tage am Stück arbeiten(im 3 Schichtbetrieb), alle 14 Tage ein Wochenende frei, leider Standard.
Mein persönlicher Rekord liegt bei 26 Tagen am Stück durcharbeiten.
Das sowas nicht erlaubt ist...schön und gut, im Krankenhaus interessiert sowas auch die wenigsten.

Und dann gibt es immer noch die Leute, die der festen Überzeugung sind, dass sowas ja auch nicht weiter schlimm seie, da man das viele arbeiten ja vergütet bekommt.

Schön wärs, Fakt ist,(zumindest bei mir), dass die zuviel gearbeiteten Tage aufs Überstundenkonto kommen, damit man sie "irgendwann" mal abfeiern kann.
Mittlerweile sind alle meine Kollegen und ich bei über 230 Überstunden.
Abfeiern?
Bei dem Personalmangel keinerlei Chance.

Eine Zwickmühle, aus der man nicht so einfach herauskommt.

Versucht mal, eine Beziehung zu führen, bei im Schnitt 25 Tagen Dienst im Monat, mit ständig wechselnden Arbeitzeiten, teilweise 3 oder mehr Wochenenden nicht zuhause zu sein.
Dieser Mann muss schon mehr als verständnisvoll und tolerant sein und trotzdem wird auch er phasenweise sehr darunter leiden.
Versucht, einen Freundeskreis zu halten, wenn du sie nur alle paar Wochen sehen kannst und trotz zB. geplanten frei, immer wieder damit rechnen musst, doch wieder einspringen zu müssen.

Mein Freundeskreis besteht nur noch aus Leuten, die selber Krankenschwestern sind oder im Krankenhaus in anderen Positionen arbeiten, alle anderen Freunde sind mit meinen Dienstzeiten und den weniger sehen können, nicht zurecht gekommen.

Versucht, eurer Mutter beizubringen, dass du Weihnachten, Ostern, Pfingsten, nicht mit Ihnen verbringen kannst, weil du wieder arbeiten musst.
Meine Mutter hat unzählige Male deswegen geweint.

Versucht ein Hobby zu finden, Sport zu machen, was für sich zu tun, bei 4 freien Tagen im Monat.

Versucht im frei abzuschalten.
Kann man nicht, da in jedem frei wieder irgendeiner krank wird und man im Hinterkopf immer die Angst hat, wieder angerufen zu werden, um einzuspringen.

Und zu guter Letzt:
die Bezahlung.
Wie ihr euch evtl. denken könnt, ist auch dies eigentlich nicht der Rede wert,
das Gehalt reicht für mich alleine, eine Familie könnte ich damit niemals ernähren.

Ich will kein Mitleid oder ähnliches,
ich möchte euch nur vor Augen führen, wie GUT ihr 5 Tage-arbeiter- es eigentlich habt.

Genießt es und denkt ab und zu auch mal an uns...

3 Kommentare:

  1. huhu süße
    schau mal hier, habe sofort an dich gedacht :D
    http://ceesbaby.blogspot.de/2012/07/blogaward.html

    liebe grüße
    Honeyfee

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  2. Mein Freund arbeitet auch im Schichtdienst (in der Psychiatrie) und ihm gehts genauso wie dir.. Die Freundschaften sind durch den Schichtdienst flöten gegangen & er ist andauernd angespannt und starrt auf sein Handy, um zu wissen, ob er heute für jemanden einspringen muss oder nicht.
    Für mich als Partnerin ist's wirklich alles andere als leicht, mit ihm eine Beziehung zu führen, da es durchaus auch vorkommt, dass wir uns wochenlang nur für ein paar Stunden täglich sehen können, da sich unsere Arbeitszeiten überschneiden & wenn er Zuhause ist, ist er oft fix & alle. Aber wenn man sich wirklich liebt, steht man das durch - bei uns sind's jetzt schon fast 4 Jahre. :)

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  3. So war was du schreibst. Ich bin mittlerweile seit fast 15 Jahren verheiratet und seit fast 19 Jahren zusammen. Meinen Mann habe ich bei der Arbeit kennengelernt und mein Sohn ist mittlerweile 14 Jahre alt. Als ich meine Sohn fragte was er mal werden wolle, sagte er alles nur nicht in den Schichtdienst, das will ich meinen Kindern nicht antun. Ich war ziemlich erschrocken.

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